Untitled von Maria McGinley

Posted on 19. März 2010

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Erstellt von Maria McGinley
Präsentiert von sapralot

Flickr steht ja bei vielen nicht so hoch im Kurs, aber für mich ist es (immer noch) eine der ersten Adressen, die ich konsultiere, wenn es um Inspiration, die Analyse von Bildern oder auch einfach nur um angenehme Berieselung geht. Ganz einfach weil auf Flickr eine schier unendliche Anzahl an tollen Fotografen und noch mehr tollen Fotografien versammelt ist. Wer dort nichts findet, das seinem Geschmack entspricht, findet es wohl nirgendwo.

Die junge Fotografin Maria McGinley ist solch ein Flickr-Juwel. Für mich persönlich ein äußerst wertvolles, denn ihre Bilder sorgen nicht nur für einen einmaligen Aha-Effekt, sie fesseln mich, sie wirken nach, sie lassen mich nicht mehr los. Weshalb ich immer wieder zu ihnen zurückkehre, eintauche in die magische Welt, die sie vor meinem Auge und in meinem Kopf entstehen lassen.

Es ist mir sehr schwer gefallen, eine ihrer Fotografien auszuwählen und damit gewissermaßen über all die anderen zu erheben, aber schlussendlich habe ich mich für dieses Bild ohne Titel entschieden. In diesem Bild kommt für mich all das zum Ausdruck, was die Kunst von Maria McGinley ausmacht: Anstatt großen inszenatorischen Aufwand zu betreiben, beschränkt sie sich auf das Allernötigste – auf eine unbedeutende Handlung, eine einfache Geste, einen beiläufigen Blick. Aber diese Reduktion führt sie über das gewohnte Maß hinaus: Es gelingt ihr, alle störenden Einflüsse soweit zu eliminieren, dass man beim Betrachten des Bildes den Eindruck gewinnt, an der Gedanken- und Gefühlswelt der abgebildeten Person teilzuhaben.

Auch Untitled wird primär von einer melancholischen Stimmung getragen, von der Traurigkeit, die aus den Augen des Jungen zu sprechen scheint. Maria weiß die Aufmerksamkeit des Betrachters geschickt dorthin zu lenken – durch die geschickte Komposition (Fensterrahmen!), durch die Ausnutzung der Lichtverhältnisse, durch die Verstärkung der Hell-Dunkel-Kontraste. Und sie weiß auch, wie sie auch einer bedrückenden Situation trotz allem eine optimistische Note verleihen kann: durch warme, berauschend schöne Farbtöne. Die, so absurd das klingen mag, auch in Schwarzweißbildern wie diesem spürbar sind.

Maria McGinleys Bilder haben bei mir einen empfindlichen Nerv getroffen. Schmerzhaft ist aber anders.

Über sapralot * selected photography

Falls Du auch ein Bild auf sapralot * selected photography vorstellen möchtest, bist Du herzlich dazu eingeladen! Was das gezeigte Sujet und die dazugehörige Beschreibung betrifft, gibt es keinerlei Einschränkungen – nur sollte das präsentierte Bild von einer anderen Person stammen. Und besonders freuen  würde ich mich, wenn diese Person in der Folge ebenfalls einen Betrag verfassen würde. :-)

(Details dazu findest Du hier.)

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