Wider den schönen Schein

Posted on 3. Mai 2010

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Aufgrund des Titels waren meine Erwartungen bereits sehr hoch gesteckt. Was sich tatsächlich hinter Days With My Father verbirgt, hat mich dann aber doch überwältigt.

Days With My Father ist das Online-Tagebuch von Philip Toledano, in dem er in Wort und Bild beschreibt, wie er die letzten Lebensjahre seines Vaters erlebt. Eine Zeit, in der beide viele schmerzvolle Erfahrungen machen müssen, eine Zeit, die mit sehr viel Trauer verbunden ist – und an deren Ende der Tod des Vaters steht. Und dennoch, Days With My Father ist eine Geschichte, die einem unglaublich viel Mut macht. A story about life, wie Philip Toledano schreibt.

Days With My Father hat mich unglaublich berührt. Weil es eine Geschichte ist, die direkt aus dem Leben gegriffen ist, weil so viel Gefühle und Emotionen, so viele Ängste und Hoffnungen in ihr mitschwingen.

Dieses Beispiel zeigt für mich, wozu Fotografie im besten Fall imstande sein kann: Fotografien können das Leben nicht nur abbilden, sie können es verinnerlichen, selber atmen, sie können es transportieren und fühlbar machen.

Und es offenbart auch, dass Nebensächlichkeiten eine zu hohe Bedeutung beigemessen wird. Dass wir viel zu viel Energie auf das Gelaber von wegen Canon-/Nikon-Systemwechsel, Kompaktkamera als Immerdabei-SLR-Ersatz, Beauty Dish versus Softbox, Festbrennweite oder Zoom, Leica gegen den Rest der Welt, etc. verwenden. Dass wir weniger auf das achten sollten, was sich innerhalb der Kamera abspielt, als vielmehr auf das, was sich davor abspielt. Wie es Philip Toledano bei Days With My Father gemacht hat: Seine Bilder sind unscharf, überbelichtet, sie haben einen begrenzten Kontrastumfang – aber sie lassen einem unmittelbar in die Geschichte eintreten, die er mit ihnen erzählen möchte. Sie sind um so vieles besser als die hochgezüchteten Aufnahmen, die uns gerne als das Maß aller Dinge verkauft werden.

Aber das ist natürlich nur meine Sicht der Dinge.

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