Die Welt ist einfach. Kompliziert.

Posted on 28. Mai 2010

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In der Regel ist es doch so, dass Profis die Bilder von Amateuren für misslungen halten. Weil deren Bilder schlecht oder falsch belichtet sind, weil der Fokus nicht richtig sitzt, weil die Schärfentiefe unvorteilhaft gewählt ist, weil die Farben zu schrill sind, weil irgendwelche Kompositionsregeln nicht eingehalten worden sind. Weil, weil, weil.

Das kann ich alles gut verstehen, damit kann ich leben. Weil noch kein Edward Weston vom Himmel gefallen ist. Weil sich Profis tagtäglich mit der Materie auseinandersetzen und also zwangsweise wissen müssen, wovon sie reden.

Nun lese ich aber in einem Artikel in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Photographie, in dem die Istanbul-Aufnahmen von Andreas Herzau vorgestellt werden, die folgenden Zeilen:
„Es sind Bilder, die jeder Amateur für misslungen hielte. Genau deshalb aber sind sie bahnbrechend.“

Wie jetzt?

Verstehe ich das richtig? Profis halten Bilder von Amateuren für misslungen, weil sie tatsächlich schlecht sind – und Amateure halten Bilder von Profis für misslungen, weil sie deren Genialität nicht erkennen?

Oder können Fotografien einfach auf verschiedene Art misslingen? Wie soll dann aber der Amateur erkennen können, dass seine Bilder falsch misslungen sind?

Heh.

Ich für mich ziehe daraus einen recht simplen Schluss: Man sollte beim Fotografieren nicht allzu sehr auf das Urteil der anderen schielen. Wichtiger ist, dass man sein eigenes Ding durchzieht. Und dabei Fotografien schafft, die einem selbst gefallen. Sollten sie den anderen nicht gefallen – Pech. Für die anderen.

Ach ja, übrigens: Mir gefallen die Istanbul-Bilder von Andreas Herzau ausgesprochen gut. Heißt das jetzt, dass ich kein Amateur mehr bin? Nein, leider, kann nicht sein. Oder vielleicht bin ich noch nicht Amateur genug? Hmm, schon eher.

Aber wie gesagt: Schnurz! :-)

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