Schönheit muss leiden. Aber darf Leiden schön sein?

Posted on 31. Mai 2010

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Beim Stöbern im Fotografie-Blog der New York Times bin ich auf das folgende Bild gestoßen:


© Emilio Morenatti

Eine wunderbare Aufnahme von einem Jungen, der unter einem Moskitonetz schläft. Friedvoll. Idyllisch.

Auf den ersten Blick. Der zweite Blick fällt auf den Bildtitel, und der besagt, dass die Aufnahme in einem Flüchtlingslager entstanden ist, weil der Junge aus seiner Heimat vertrieben worden ist.

Dieser Sachverhalt hat einen Leser des Blogs zur Frage bewegt, ob es akzeptabel ist, aus dem Leiden anderer Menschen Kunst zu machen. Hat sich der Fotograf gegenüber dem Kind respektlos verhalten? Schlägt er aus seinem Leiden Profit? Zeigt das Bild eine geschönte Realität, ist es aus dem Zusammenhang gerissen, blendet es wichtige Fakten, die für ein besseres Verständnis des Dargestellten notwendig wären, aus?

Oder sind schöne Aufnahmen von schrecklichen Situationen nicht doch effizienter in der Hinsicht, dass sie sich stärker beim Betrachter einprägen, dass sie seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ihn damit intensiver über das Gesehene nachdenken lassen? Würde eine schlecht komponierte, überbelichtete Aufnahme der Wahrheit näher kommen? Und wenn man die unzähligen Kunstwerke in Museen, die menschliches Leid zeigen, in Betracht zieht: Gelten für Fotografie in dieser Hinsicht eigene Maßstäbe?

Ein, wie ich meine, wichtiges, absolut fesselndes Thema… (Die Diskussionsbeiträge könnt ihr auf dem NYT-Blog nachlesen.)

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