Jim Rakete und das ganze Pixelzeug

Posted on 20. Juli 2010

2


„Die Dinge verändern sich radikal. Die klassische Fotografie kommt an ihr Ende. Früher musste von Anfang an alles im Bild enthalten sein. Heute machen das die jungen Kollegen genau umgekehrt. Die knipsen irgendwas und überlegen sich hinterher am Computer, wie sie aus dem ganzen Pixelzeug das eigentliche Bild entstehen lassen.“ [Quelle: Spiegel Online]

Nicht dass ich mich zu den radikalen Fortschrittsfanatikern zählen würde, aber dieses Statement von Jim Rakete ist schon ein wenig dick aufgetragen. Ein wenig herablassend auch. Ein wenig pauschalierend.

Natürlich will eine analoge Aufnahme mit Bedacht gemacht sein – weil die Kosten für das Medium und dessen Ausarbeitung ungleich höher sind als bei einem digitalen Bild. (Hab ich mir sagen lassen. J) Und natürlich ist unter hundert Bildern eher ein gutes dabei als unter deren fünfen.

Aber geht der Denkapparat automatisch auf Tauchstation, nur weil man eine digitale Knipse in der Hand hat? Macht man sich automatisch weniger Gedanken über das abzubildende Motiv? Muss man sich weniger Gedanken machen? Über die Komposition? Über die Lichtverhältnisse? Über alles, was eine gute Fotografie ausmacht? Weil sich ohnehin alles im nachhinein digital korrigieren lässt? Oder mehr noch, weil das „eigentliche Bild“ überhaupt erst auf dem Rechner „entsteht“?

Ich hege ja den Verdacht, dass sich der gute Hr. Rakete weniger an der digitalen Technik stößt als vielmehr an dem, was heute gemeinhin unter dem Begriff „Fotografie“ firmiert. Denn natürlich hat vieles von dem, was man etwa auf Flickr zu sehen bekommt, nicht mehr viel mit „einer bildgebenden Methode, bei der mit Hilfe von optischen Verfahren ein Lichtbild auf ein lichtempfindliches Medium projiziert und dort direkt und dauerhaft gespeichert wird“ (Quelle: Wikipedia), zu tun.

Aber genau so, wie ein gemaltes Bild immer schon auf einer Interpretation des Künstlers gefußt hat, war eine Fotografie auch schon immer mehr als das nüchterne Abbild der Realität. Und der eine hilft seiner Interpretation eben etwas mehr mit künstlichen Hilfsmitteln nach als der andere. Ausgangspunkt ist aber immer noch die Fotografie.

(Nebenbei: Für mich persönlich wäre Fotografie ohne Nachbearbeitung weniger als der halbe Spaß. )

Aber genug von dieser Diskussion, die ohnehin viel zu oft geführt wird. Eigentlich wollte ich ja nur auf die Fotografien (!) von Jim Rakete hinweisen, die absolut für sich selbst sprechen, auch ohne Verweis auf die verwendeten (und nicht verwendeten) Technologien.


Alle Bilder © Jim Rakete

Advertisements